Das spätgotische Fachwerkhaus in der Unteren Marktstraße 10 gehört zu dem ältesten Wohngebäudebestand der Stadt Boppard. In unmittelbarer Nachbarschaft der katholischen Pfarrkirche St. Severus mit einem Taufbecken aus frühchristlicher Zeit steht unserer Haus auf einem frühmittelalterlichen Gewölbekeller. Im hinteren Teil des Gewölbekellers werden zur Zeit weitere Ausgrabungsarbeiten durchgeführt; mit bißchen Glück lüften vielleicht weitere Fundstücke historische Geheimnisse. Zum jetzigen Zeitpunkt läßt sich jedoch schon feststellen, daß der Gewölbekeller älter als das Wohnhaus ist, da die Grundrisse nicht übereinstimmen. Größer als das darüber errichtete Wohnhaus, reicht er noch bis unter das Nachbargebäude; von dort gab es jedoch keinen Zugang. Der Keller wurde als Weinkeller, wie es typisch für eine Weinstadt wie Boppard ist, genutzt. Das ursprüngliche Gebäude wurde vermutlich durch einen der vielen Großbrände zerstört. Nach dendrochronologischen Untersuchungen kann die Erbauungszeit des jetzigen Hauses mit dem Jahr 1519 angesetzt werden, das bestehende Haus blieb weitestgehend im Erbauungszustand erhalten. Von der wechselvollen Geschichte des Hauses ist leider wenig bekannt. Den 30jährigen Krieg (1618 - 1638), die französische Besetzung (1794) und die Kriege des 20. Jahrhunderts hat es unbeschadet überstanden. Eine Lithographie, die um 1840 entstanden ist und Samuel Prout (?) zugeschrieben wird, zeigt die Eingangstür in der Mitte mit gebäudeparalleler Freitreppe. Heute befindet sich die Haustür, die nach alten Vorlagen von Berthold Karbach geschaffen wurde und eine historische Farbgestaltung durch die Firma Walter Decker erhielt, nach rechts versetzt.